Posts Tagged 'Web 2.0'

Kunstmarkt 2.0

Wer Kunst kauft, sammelt Status. Nirgendwo wird das deutlicher als in der Galerienszene. Jetzt will ein Internet-Start-up namens art.sy dafür sorgen, dass neben Geld auch wieder Geschmack regiert.

von Sven Behrisch, Das Magazin,11.6.2011

(Cleveland und Cliwich, die Gründer von art.sy, vor Jaume Plensas Skulptur „Echo“ in New York)

An der Ecke eine Autowerkstatt, am anderen Ende der Strasse, fast schon am Hudson River, ein Fussballplatz. Fabrikgebäude aus Ziegelstein. Ein Hund. Nichts deutet darauf hin, dass diese Strassen, von der 19. bis zur 29. im Westen Manhattans, den Mittelpunkt der internationalen Kunstwelt pflastern. Nichts ausser den schwarzen Limousinen und den Türen aus Milchglas, vor denen sie warten. Durch das Milchglas strahlt die Verheissung der Kunst; wie man an sie herankommt, was sie ist, das bleibt diffus. Das Milchglas der schweren, mit Edelstahl gerahmten Einlässe zu den Galerien im New Yorker Stadtteil Chelsea ist wie die Metapher ihres Geschäftsmodells, dem sich die reichsten und mächtigsten Geschäftsleute der Welt willig ergeben. Die dicken Türen, die Verschwommenheit sind Teil einer Wertschöpfungskette. Sie erzeugen Schwellenangst. Schwellenangst erzeugt Exklusivität. Und Exklusivität erzeugt Wert. So funktioniert die Logik des Kunstmarkts. Das wird sich Die zeitgenössische Kunst hat in den vergangenen dreissig Jahren einen Boom erfahren wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig. Die Preise haben sich vertausendfacht. Auf der ganzen Welt entstehen Sammlermuseen mit zeitgenössischer Kunst. In den Vorstandsräumen von Banken, wo vor dreissig Jahren noch die Gründer in Öl streng von holzgetäfelten Wänden blickten, stehen heute grosse abstrakte Kompositionen als Chiffren für Macht und Wagemut; Kunstmessen, allen voran die Art Basel, haben, was die Ansammlung von Geld und Prominenz angeht, die höfischen Feste der Feudalzeit abgelöst. Moderne Kunst ist überall, und das Gleiche gilt für die Sammler, die in Mexiko, Russland und vor allem in China gigantische Kollektionen anhäufen. Doch die Globalisierung ändert die Spielregeln des Markts. Transparenz wird gefragt sein statt Verschwiegenheit, Zugang statt Abschottung, Dauerpräsenz statt Wechselausstellung. Mit einem Wort: das Internet. Der Kunstmarkt ist das letzte grosse Geschäftsfeld, auf dem es noch keine Wurzeln gefasst hat. Amazon hat den Buchmarkt, iTunes den Musikmarkt, Blogs und der Onlineversand haben den Modemarkt radikal verändert. Ähnliches bahnt sich nun auch im Kunstmarkt an. Die Folgen für Sammler und Händler werden dramatisch sein. Vielleicht auch für die Kunst selbst.

Noch aber ist alles beim Alten in Chelsea. Noch haben die Galerien exklusiven Zugang zu den neuesten Arbeiten der begehrten Künstler, noch können sie Hunderttausende oder Millionen dafür verlangen. Fest muss man an den Wert der Kunst glauben, der solche Preise rechtfertigt, so fest, wie man die Türen aufstossen muss, um ins Innere der Galerien zu gelangen. Eine sieht aus wie die andere: weisse nackte Wände, Decken, hoch wie Kirchenschiffe. Zwei Skulpturen, schwarz-weiss gestreift, 450 000 Dollar das Stück; Fotografien einer Rokoko-tapete, acht Meter hoch, Preis auf Anfrage. Installationen von Plexiglaskästen auf Sockeln aus Gips, Sinn auf Nachfrage. Doch bei wem? In der Nähe des Eingangs steht ein weisser Tisch mit einem weissen Apple-Bildschirm. Dahinter ein Model mit grosser Hornbrille und schwarzen Strümpfen. Alles schweigt. Niemand grüsst. Keiner hilft. Aber alle wollen rein. Weiterlesen ‚Kunstmarkt 2.0‘

Krisograph – Soziale Medien in der Kunst

Eine Installation von Sebastian Pape (BA Design – Interaction Design)

In der Installation KRISOGRAPH stellt ein Projektor Wörter auf einer Wand dar, die herauszubrechen scheinen. Die Löcher in der Wand zeigen Schlüsselworter aktueller, weltweiter Krisenthemen. Die Wand dient somit als Medium zwischen Informationen des aktuellen Weltgeschehens und dem Betrachter.

Ein Computerprogramm selektiert nach logischen Regeln die aktuellen Schlagwörter von dem Sozialen Netzwerk Twitter und liefert damit den Input für die Installation. Die digitale Information wird durch den Projektor auf die Wand übertragen, so dass vor dem Auge des Betrachters die Löcher in der Wand entstehen.

Bei dieser Installation handelt es sich nicht um eine starre Manifestation. Werden im Sozialen Netzwerk Twitter zu einem be- stimmten Krisenthema keine Beiträge mehr verfasst, so verschwinden die Löcher in der Wand und machen Platz für neue krisen- behaftete Schlüsselwörter.

Die Installation KRISOGRAPH soll Betrachter aufmerksam machen und auf aktuelle Krisenthemen hinweisen und sensibilisieren. Beim längeren betrachten der Installation kann mann beobachten wie Krisen, symbolisiert durch ein Keywort, auftauchen und auch wieder verschwinden. Ob die Wand jemals ohne Löcher bleibt?

Hier die KRISOGRAPH – Dokumentation – Sebastian Pape – ZHdK ansehen.

Internet und Arbeiten

von Colin Morton (BA Musik – Instrument/Gesang – Jazz)


Das Internet

Das Internet hat sich in den letzen 20 Jahren als grösste Veränderung für das Leben der Zivilbevölkerung präsentiert. Wir schreiben e‐mails, wir bloggen, twittern, präsentieren uns online und sind durchschnittlich 4 Stunden pro Tag online (13‐40 Jährige). Das Internet beinhaltet eine riesige Datenbank an Informationen, Videos, Fotos, Veranstaltungen, usw. Es hat die Kommunikation verändert: E‐Mails und Handy haben die Menschen permanent erreichbar gemacht. Alles ist schneller und spontaner geworden.

Informationensuche heute
„Googeln“ ist ein neues Wort geworden. Es wird sogar im Duden aufgeführt. Viele Leute an Universitäten und Schulen beschaffen sich so Information im Internet für Vorträge, Aufsätze und als Prüfungsvorbereitung. Einige Schüler lesen lieber den Wikipedia‐Artikel als das Buch selber und bestehen sogar dann den Test über den Inhalt des Textes. Weiterlesen ‚Internet und Arbeiten‘

Michel Zai: Neue Medien

Nachdem die digitalen Kommunikations-Medien im Verlauf der letzten 15 Jahre unsere westliche Zivilisation radikal umgestaltet haben (und kein Ende des Wandels in Sicht ist) stellt sich immer mehr die Frage nach der Rolle des „professionellen“ Künstlers/Künstlerin in einer veränderten Kommunikations-Umgebung.
Nach der Pionier-und Hype-Zeit des Internet in den 90er Jahren folgte das Platzen der Spekulations-Blase kurz nach der Jahrtausendwende, dann der Aufstieg von Google zu einem der mächtigsten Unternehmen der Welt und der Siegeszug der Web 2.0 Anwendungen (user generated content, Stichwort Weblogs, YOUTUBE etc.) sowie der Social-Media-Applikationen (z.B. Facebook). Parallel dazu haben sich mobile Geräte (Smart Phones wie das iPhone), welche die soeben aufgelisteten Anwendungen überall zugänglich machen, so rasant ausgebreitet wie keine andere Technologie in der Geschichte der Menschheit: innerhalb von kurzer Zeit wurde ein grosser Teil der Bevölkerung ausgerüstet mit vernetzter Digital-Kamera, tragbarem Internet-browser, 24h-Zugriffsmöglichkeit auf Millionen von Datenbanken (Nachschlagewerke, Fahrpläne, Börsendaten etc.) und vor allem auf die vermeintlich unendliche Vielfalt von Einzelmeinungen und Expertenwissen.
Den Umwälzungen in der Musikindustrie folgten  der Buch- und Film-Markt und zur Zeit beobachten wir gerade einen dramatischen Kampf um die zukünftigen Spielregeln der Politik: Wikileaks.org wird womöglich wieder verschwinden aber die Einsicht, dass innerhalb von wenigen Minuten unglaublich grosse Mengen von sensitiven Daten kopiert, weltweit verteilt und später auch durchstöbert werden können, veränderte bereits die Welt. Die zentrale Rolle von Facebook bei den Protesten im Arabischen Raum ist ebenfalls nicht zu leugnen.
Es kann also keinen ernsthaften Zweifel daran geben, dass die digitale Revolution noch immer in vollem Gang ist.
Die Frage nach der Positionierung des Individuums, insbesondere des Künstlers/der Künstlerin scheint jedoch weitgehend unbeachtet zu bleiben.
Die meisten von uns bleiben als User von vorgefertigter kommerzieller Software, untransparenten Online-Diensten und trendigen Gadgets unwissende und weitgehend handlungsunfähige Passagiere. So unangenehm diese Einsicht auch ist, die Verweigerungshaltung gibt uns die Handlungsfreiheit ebenfalls nicht zurück. Unsere Welt virtualisiert sich seit Jahrhunderten. So wie die Einführung des Buchdrucks ein wichtiger Schritt auf diesem Weg war so befinden wir uns noch immer in einem Paradigmenwechsel.
Radikalste Veränderungen in unserer Gesellschaft müssen künstlerisch bearbeitet, hinterfragt, ausgelotet und immer wieder überspitzt dargestellt werden um die Chance zu schaffen die menschliche Kultur an neue Umstände anzupassen.
Entwicklungen und Diskussionen rund um Open Source Software, Creative Commons oder die Meinungsfreiheit sind nicht mehr ganz neu aber sehr wichtig wenn es darum geht unsere Zukunft in eine offene Richtung zu lenken.
Im Verlauf der Vertiefung am Dienstag (15.2.2011) möchte ich diese Themenfelder im Detail besprechen und mit Beispielen aus meiner eigenen Arbeit illustrieren. Zur Zeit beschäftigt mich vor allem der Umgang mit grossen Datenmassen, Memory-Culture, das Erinnern und Vergessen.