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Krisograph – Soziale Medien in der Kunst

Eine Installation von Sebastian Pape (BA Design – Interaction Design)

In der Installation KRISOGRAPH stellt ein Projektor Wörter auf einer Wand dar, die herauszubrechen scheinen. Die Löcher in der Wand zeigen Schlüsselworter aktueller, weltweiter Krisenthemen. Die Wand dient somit als Medium zwischen Informationen des aktuellen Weltgeschehens und dem Betrachter.

Ein Computerprogramm selektiert nach logischen Regeln die aktuellen Schlagwörter von dem Sozialen Netzwerk Twitter und liefert damit den Input für die Installation. Die digitale Information wird durch den Projektor auf die Wand übertragen, so dass vor dem Auge des Betrachters die Löcher in der Wand entstehen.

Bei dieser Installation handelt es sich nicht um eine starre Manifestation. Werden im Sozialen Netzwerk Twitter zu einem be- stimmten Krisenthema keine Beiträge mehr verfasst, so verschwinden die Löcher in der Wand und machen Platz für neue krisen- behaftete Schlüsselwörter.

Die Installation KRISOGRAPH soll Betrachter aufmerksam machen und auf aktuelle Krisenthemen hinweisen und sensibilisieren. Beim längeren betrachten der Installation kann mann beobachten wie Krisen, symbolisiert durch ein Keywort, auftauchen und auch wieder verschwinden. Ob die Wand jemals ohne Löcher bleibt?

Hier die KRISOGRAPH – Dokumentation – Sebastian Pape – ZHdK ansehen.

Michel Zai: Neue Medien

Nachdem die digitalen Kommunikations-Medien im Verlauf der letzten 15 Jahre unsere westliche Zivilisation radikal umgestaltet haben (und kein Ende des Wandels in Sicht ist) stellt sich immer mehr die Frage nach der Rolle des „professionellen“ Künstlers/Künstlerin in einer veränderten Kommunikations-Umgebung.
Nach der Pionier-und Hype-Zeit des Internet in den 90er Jahren folgte das Platzen der Spekulations-Blase kurz nach der Jahrtausendwende, dann der Aufstieg von Google zu einem der mächtigsten Unternehmen der Welt und der Siegeszug der Web 2.0 Anwendungen (user generated content, Stichwort Weblogs, YOUTUBE etc.) sowie der Social-Media-Applikationen (z.B. Facebook). Parallel dazu haben sich mobile Geräte (Smart Phones wie das iPhone), welche die soeben aufgelisteten Anwendungen überall zugänglich machen, so rasant ausgebreitet wie keine andere Technologie in der Geschichte der Menschheit: innerhalb von kurzer Zeit wurde ein grosser Teil der Bevölkerung ausgerüstet mit vernetzter Digital-Kamera, tragbarem Internet-browser, 24h-Zugriffsmöglichkeit auf Millionen von Datenbanken (Nachschlagewerke, Fahrpläne, Börsendaten etc.) und vor allem auf die vermeintlich unendliche Vielfalt von Einzelmeinungen und Expertenwissen.
Den Umwälzungen in der Musikindustrie folgten  der Buch- und Film-Markt und zur Zeit beobachten wir gerade einen dramatischen Kampf um die zukünftigen Spielregeln der Politik: Wikileaks.org wird womöglich wieder verschwinden aber die Einsicht, dass innerhalb von wenigen Minuten unglaublich grosse Mengen von sensitiven Daten kopiert, weltweit verteilt und später auch durchstöbert werden können, veränderte bereits die Welt. Die zentrale Rolle von Facebook bei den Protesten im Arabischen Raum ist ebenfalls nicht zu leugnen.
Es kann also keinen ernsthaften Zweifel daran geben, dass die digitale Revolution noch immer in vollem Gang ist.
Die Frage nach der Positionierung des Individuums, insbesondere des Künstlers/der Künstlerin scheint jedoch weitgehend unbeachtet zu bleiben.
Die meisten von uns bleiben als User von vorgefertigter kommerzieller Software, untransparenten Online-Diensten und trendigen Gadgets unwissende und weitgehend handlungsunfähige Passagiere. So unangenehm diese Einsicht auch ist, die Verweigerungshaltung gibt uns die Handlungsfreiheit ebenfalls nicht zurück. Unsere Welt virtualisiert sich seit Jahrhunderten. So wie die Einführung des Buchdrucks ein wichtiger Schritt auf diesem Weg war so befinden wir uns noch immer in einem Paradigmenwechsel.
Radikalste Veränderungen in unserer Gesellschaft müssen künstlerisch bearbeitet, hinterfragt, ausgelotet und immer wieder überspitzt dargestellt werden um die Chance zu schaffen die menschliche Kultur an neue Umstände anzupassen.
Entwicklungen und Diskussionen rund um Open Source Software, Creative Commons oder die Meinungsfreiheit sind nicht mehr ganz neu aber sehr wichtig wenn es darum geht unsere Zukunft in eine offene Richtung zu lenken.
Im Verlauf der Vertiefung am Dienstag (15.2.2011) möchte ich diese Themenfelder im Detail besprechen und mit Beispielen aus meiner eigenen Arbeit illustrieren. Zur Zeit beschäftigt mich vor allem der Umgang mit grossen Datenmassen, Memory-Culture, das Erinnern und Vergessen.