Kaufen für die Müllhalde

von Nicole Zaugg (BA Design – Vertiefung Style&Design)


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Als ich letzte Woche am Abend spät von der Arbeit nach Hause kam, sah ich zufälligerweise die letzten Minuten des Dokufilms „Kaufen für die Müllhalde“. Der Film behandelt das Thema der heutigen Konsumgesellschaft und wie es dazu kam.
Am nächsten Abend habe ich auf der Homepage von Arte den ganzen Film nachgeschaut, weil ich mich täglich mit dem Thema Konsumgesellschaft in Berührung komme aber auch, weil ich fand er passe sehr gut zum laufenden Modul „What’s Next“.

Das Bedürfnis nach Neuem hat sich in der westlichen Gesellschaft derart durchgesetzt, dass wir es als „normal“ empfinden.
Shoppen bezeichnen viele Menschen (dazu gehöre auch ich) als ihr Hobby.  Früher ging ich jeden Samstag oder sogar mehrmals die Woche in den H&M und weitere Läden dieser Art. Ich gab viel Geld für Kleider aus, welche mir nach wenigen Monaten nicht mehr gefielen. Sie waren dann alt, nicht mehr so trendy, meistens waren sie aber auch verzogen, weil die Qualität so mies ist.
Irgendwann habe ich aber damit angefangen, mir vor jedem Kauf die Frage zu stellen, ob ich diese Dinge wirklich brauche,  die da vor mir liegen. Brauchen tu ich sie natürlich nicht. Also verzichte ich auf den Kauf.

Ich weiss nicht, weshalb ich damit begonnen habe mir diese Frage zu stellen. Vielleicht weil ich reifer wurde, weil ich Zeitungsberichte las, die mich auf das Problem der Konsumgesellschaft hinweisen.

Manchmal ist es schwierig, in einer so verklärten Gesellschaft wie unserer, den Überblick zu behalten. Wenn ich die Menschen in der Öffentlichkeit beobachte, habe ich das Gefühl, dass es nur noch darum geht, wie man selbst auf andere wirkt, wie man anderen gegenüber erscheint. Und dieses Erscheinungsbild können wir anhand von Materiellem beeinflussen. Diese Beobachtung macht mir Angst und ich frage mich dann oft: Haben wir wirklich verlernt, uns mit uns selber auseinanderzusetzen? Uns Fragen zu stellen wie, was passiert, wenn es mit der Welt so weiter geht? Was sind die wirklich relevanten Dinge des Lebens?

Seit in den zwanziger Jahren die geplante Obsoleszenz ins Leben gerufen worden ist, sind wird dazu konditioniert worden, stetig das Neueste vom Neuen erwerben zu wollen.

Nach Wikipedia: Der Begriff Obsoleszenz (Veralterung) bezeichnet die künstliche oder natürliche Veralterung eines Produktes. Das zugehörige Adjektiv obsolet (nicht mehr gebräuchlich sein, an Geltung verlieren, hinfällig) bezeichnet generell Veraltetes, meist Normen oder Therapien.

Die geplante Obsoleszenz ist Teil einer Produktstrategie. Beim Herstellprozess werden in das Produkt bewusst Schwachstellen eingebaut oder Rohstoffe von schlechter Qualität eingesetzt. Das Produkt wird schnell schad- oder fehlerhaft, kann nicht mehr in vollem Umfang genutzt werden und muss ersetzt werden (built-in-obsolescence). Ein Euphemismus aus der Betriebswirtschaft für geplante Obsoleszenz ist der Produktlebenszyklus.
Durch das 1924 gegründete private Phöbuskartell wurde die maximale Brenndauer von Glühlampen auf 1000 Stunden international festgelegt.

Im eigentlichen Sinne soll die Obdoleszenz, eine florierende Wirtschaft und viele Arbeitsplätze versprechen, was an und für sich nicht schlecht ist. Andererseits stellt sich die Frage: Ist es moralisch vertretbar die Gesellschaft so zu hintergehen?
Dazu bringt die Obdoleszenz einen riesigen Verschleiss von wertvollen Ressourcen und übermässig viel Abfall mit sich. Das war vor 90 Jahren noch kein Problem, weil es weder an Ressourcen noch an Platz mangelte.

Aber die Zeiten haben sich geändert, denn wir wissen nicht mehr wohin mit dem ganzen Müll, welcher sich durch unser unkontrollierbares Konsumverhalten angehäuft hat. Dazu kommt, dass wir mittlerweile eingesehen haben, dass unserer Ressourcen doch nicht unbegrenzt verfügbar sind.

An grenzenloses Wachstum mitbegrenzten Ressourcen glauben nur verrückte und Ökonomen, leider sind mit mittlerweile alle Ökonomen.“ (Serge Latouche, Professor der Ökonomie)

Wir müssen auf diese Veränderung reagieren. Das Zeitalter der Konsumgesellschaft muss zu Ende gehen. Wir brauchen zwingend eine Neuorientierung. Alles andere wäre verantwortungslos.

Diese Erkenntnis führt viele Ökonomen, Designer, Ingenieure und Kunstschaffende zu einer neuen, unumgänglichen Aufgabe, die wir gemeinsam in Angriff nehmen müssen.
Die Aufgabe ist gewiss nicht einfach und auch nicht von heute auf morgen lösbar… aber betrachten wir sie doch als Herausforderung, als Chance!

Erfolgt die Auseinandersetzung mit dieser Aufgabe zu spät oder zu wenig stark, müssen wir uns bald nicht mehr fragen „What’s next?“.

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1 Response to “Kaufen für die Müllhalde”


  1. 1 fall into relapse 23. Februar 2011 um 14:26

    da haben Sie aber einen tollen Artikel geschrieben – und Recht haben Sie!

    Unmittelbar nach dem Lesen dieses Artikels überkam mich jedoch dieses altbekannte Gefühl der Rückfälligkeit. Anders gesagt, wurde ich nach kurzem Nachdenken über die ganze Thematik direkt wieder eingeholt vom gewohnten Drang nicht obsolet zu sein 🙂

    Was kann man gegen diese „verklärte Gesellschaft“ unternehmen?
    Sie schreiben, die Ökonomen, Designer, Ingenieure und Kunstschaffende hätten eine unumgängliche Aufgabe, was bestimmt wahr ist – meiner Meinung nach, haben aber genau auch die Personen im sozialen und politischen Bereich einen wichtigen Anteil an der Aufgabe zu leisten.

    Wenn wir Schweizer schon genug früh, durch Schule und Erziehung die richtigen Werte vermitteln können, endet das nicht so schlimm wie Sie befürchten 😉


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